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Ehrenamtspreis 2009

urkunde ehrenamtspreis 2009

„Sie sind starke Vorbilder"

Zehn Projekte aus Kirchheim und Umgebung erhalten den Ehrenamtspreis

„Kinder fordern - Kinder fördern", lautete dieses Jahr das Motto des Ehrenamtspreises „Starke Helfer", den der Teckbote und die Stiftung der Kreissparkasse zum sechsten Mal ausgelobt haben. Ausgezeichnet wurden Ehrenamtliche, die sich in ihrer Freizeit für Kinder und Jugendliche einsetzen.

Antje Dörr
Kirchheim. „Unsere Gesellschaft braucht Menschen wie Sie", begrüßte Franz Scholz, Vorstandsvorsitzender Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen die über 200 Ehrenamtlichen und Besucher, die zur Verleihung des Ehrenamtspreises „Starke Helfer" in den Manfred-Henninger-Saal des Geldinstituts gekommen waren. Der Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich, der die Patenschaft für das Projekt „Schule singt" der Liederlust Ohmden übernommen hat, war ebenso unter den Ehrengästen wie die Landtagsabgeordneten Sabine Fohler (SPD) und Karl Zimmermann (CDU) sowie die Owener Bürgermeisterin Verena Grötzinger und der Dettinger Schultes Rainer Haußmann. Landrat Heinz Eininger, der Schirmherr des Preises ist, war verhindert.

„Kinder fordern - Kinder fördern", unter diesem Motto steht dieses Jahr der Ehrenamtspreis. Damit zeichnen Teckbote und Kreissparkasse bereits zum sechsten Mal Menschen und Projekte aus, die sich, häufig im Stillen, für die Verbesserung des Gemeinwesens einsetzen. Die Jury habe eine „beeindruckende Bandbreite" an Projekten gesehen, so Franz Scholz. „Die Auswahl war schwierig, denn hinter jedem Projekt steht großer Einsatz." Alle zehn Finalisten seien Vorbilder und hätten Lob und Anerkennung verdient; das komme auch in der Verteilung der Preisgelder zum Ausdruck.

„Die meisten von Ihnen sind viel zu alt für mich", begann die Kinderbuchautorin Iris Lemanczyk, die auch Mitglied in der Ehrenamtspreis-Jury war, ihren Vortrag. Darin beklagte sie, dass vielen Kindern und Jugendlichen in ihrem Alltag Menschen fehlten, die sie unterstützten und ermutigten. „In meinen Büchern tauchen in schwierigen Situationen meistens irgendwelche Weggefährten auf, die den Helden zur Seite stehen", sagte Iris Lemanczyk. Im wahren Leben sei das leider häufig nicht der Fall. „Ohne Ihr Engagement bleiben Kinder auf der Strecke", lobte die Kinderbuchautorin. „Engagieren Sie sich weiter. Es lohnt sich."

Auch der Verleger des Teckboten, Ulrich Gottlieb, war begeistert von der Vielfalt der ausgezeichneten Projekte. Der Teckbote verfolge mit diesem Preis das Ziel, die Leser zu informieren und zu ehrenamtlichem Engagement anzuregen. „Diese Projekte haben Vorbildcharakter", machte Ulrich Gottlieb klar. Der Teckboten-Verleger stellte anschließend die Projekte im Rahmen kurzer Interviews vor und verlieh gemeinsam mit Franz Scholz die Preise.

Den ersten Platz, der mit 1.000 Euro dotiert war, holten sich ein Projekt und ein Privatmann: Die Schülerlotsen der Grund- und Hauptschule Jesingen und Ernst Tielking, in Dettingen bekannt als Fußballtrainer und „Opa für alle". Den Ausschlag für die Entscheidung hat besonders der Vorbildcharakter des Engagements gegeben, der andere zum Nachahmen auffordern soll.

Den zweiten Platz belegen ebenfalls zwei Projekte: die Liederlust Ohmden mit „Schule singt" sowie die Jägervereinigung Kirchheim mit „Lernort Natur". Beide bekamen 600 Euro.

Den dritten Platz des Ehrenamtspreises ergatterten sechs Projekte, die für ihr Engagement jeweils 300 Euro erhalten: Das Betreuerteam des Zeltlagers der Kirchengemeinde Sankt Ulrich, die Hausaufgabenbetreuung der Sybille-von-der-Teck-Grundschule in Owen, der Kinder-und Jugendhilfeplan der Gemeinde Dettingen, die „Aktion Wander(s)pass" des Mährisch-Schlesischen Sudetengebirgsvereins Kirchheim (MSSGV), die Bewährungshelfer von „Neustart" und die Lesepaten des Schulsozialvereins Weilheim.

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Am Montag spielt die Schulmusik

Der Verein Liederlust Ohmden ist Anwärter auf den Ehrenamtspreis 2009

„Wir probieren es mal", sagten sich Liederlust und Ohmdener Grundschule und führten im Sommer 1997 gemeinsam ein musikalisches Spiel über die Abenteuer eines Bücherwurms auf. Daraus wurde eine dauerhafte Kooperation. Die musikalische Förderung von Kindern macht die Liederlust nun zum Kandidaten für den Ehrenamtspreis von Teckbote und Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen. Sein Motto lautet „Kinder fordern - Kinder fördern".

PETER DIETRICH

Ohmden. Begeistert erzählt Ursula Neumann, bis im Vorjahr Ohmdener Schulleiterin, von der Zusammenarbeit mit der Liederlust. Lange ist die Liste der gemeinsamen Auftritte inzwischen geworden, von den Musicals „Ferdinand, der Stier", „Die dumme Augustine" und „Vierfarbenland" bis zum Weihnachtsliedersingen. Zum zehnjährigen Bestehen der Kooperation, gleichzeitig mit dem hundertjährigen Bestehen der Liederlust, wurde im Sommer 2007 zweimal das Musical „Die Baumgöttin" aufgeführt. Sein Inhalt entspringt einem indischen Märchen, Schauspieler und Sänger traten in prächtigen Gewändern auf.

Die Kooperation von Chor und Schule hat das Ziel, Kinder an den Chorgesang heranzuführen. Auch das Schauspiel und den Sologesang lernen sie kennen, denn bei den Musicals treten auch Kindersolisten auf. „Da gehört viel dazu", lobt Ursula Neumann. Ihre Nachfolgerin Gabrie­le Seitz weiß die Liederlust als Partner längst genauso zu schätzen.

Die ältesten Männer des Chors werden dieses Jahr 80 Jahre alt. Wenn die beiden bei einem Konzert gemeinsam mit Grundschulkindern auf der Bühne stehen, ist das eine Zusammenarbeit über mehrere Generationen. Johann Steffl, Vorsitzender der Liederlust, ist mit Bertram Schattel, dem derzeitigen Chorleiter, hochzufrieden. „Der Bertram versteht sich mit den Kindern, er bringt sie zur Ruhe", sagt er.

Jeden Montagmorgen ist Bertram Schattel für eineinhalb Stunden zu Gast in der Grundschule Ohmden. Im Rahmen des Projekts „Schule singt" unterrichtet er in drei Gruppen die Zweit-,

Dritt- und Viertklässler, zusammen etwa 50 Kinder. Insgesamt zählt die Schule 88 Kinder. Die Erstklässler dürfen noch nicht mitsingen, können es aber kaum erwarten, bis sie ebenfalls alt genug sind. „Sie lieben es, mit ihm zu singen", erzählt die Lehrerin Stefanie von Hausen von Schattels Arbeit an der Schule.

Diese Arbeit kostet Geld - ein professioneller Dirigent muss ja von etwas leben. Die Eltern der Grundschüler zahlen dafür einen Beitrag. Damit dieser nicht zu hoch wird, schießt die Liederlust etwas zu. Und wenn eine Familie finanziell knapp dran ist? Dies sei derzeit bei drei Kindern der Fall und werde auf dem kleinen Dienstweg geregelt, antwortet Johann Steffl. „Wir schließen kein Kind aus."

Auch außerhalb von Ohmden setzt sich die Liederlust für Kinder ein. Seit 1989 unterstützt sie den „Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen". Dafür werden die Erlöse aus dem Adventsverkauf verwendet. Auch die Spenden aus den Konzerten mit dem Titel „Ohmdener Sternengesänge" im Kurhaus in Bad Boll fließen nach Tübingen. Inzwischen kamen mehr als 30.000 Euro zusammen. Vor Ort in Ohmden beweisen die Liederlustsänger immer wieder, dass ihre Stimmbänder nicht die einzigen einsatzbereiten Muskeln sind. Bei der Neugestaltung des Kinderspielplatzes packten sie genauso an wie im Jahr 2003 bei der Wiederherstellung des Waaghäusles.

Die Kooperation ist durch ständige dynamischen Wechsel geprägt: von Schulkindern, Eltern, der Schulleitung und der Liederlust-Chorleitung. Dennoch besteht die Kooperation zwischen Chor und Schule unbeschadet weiter. Sie ist für die Chorleute so alltäglich geworden, dass es für die Bewerbung um den Ehrenamtspreis den Anstoß einer neuen Sängerin brauchte, die erst vor zwei Jahren zur Liederlust stieß und dort die erfolgreiche musikalische Förderung der Kinder durch den Chor kennenlernte. „Warum bewerbt ihr euch nicht?" fragte sie. Also versorgte Johann Steffl sie mit den nötigen Fakten und beauftragte sie mit dem Schreiben der Bewerbung. Eine Buchhändlerin und ehemalige Lehrerin, befand er, sei für diese Aufgabe