=================================================================================================
Ohmden „erst hinter vielen Kurven gefunden" (2008)

Rektorin Ursula Neumann nahm nach 34 Jahren Abschied von „ihrer" Schule - Immer das Miteinander im Auge gehabt

„Nach vielen, vielen Kurven hinter Jesingen habe ich schließlich Ohmden gefunden und das dortige Fachwerkgebäude, in dem die Schule untergebracht war". Und vorgewarnt war vor 34 Jahren die junge Lehrerin Ursula Neumann auch von vorgesetzter Stelle: „Die Eltern sind recht problematisch." Jetzt wurde sie in der Ohmdener Gemeindehalle als Rektorin verabschiedet, die Zeit nach der Schule beginnt jetzt für die Vollblutpädagogin.
Rudolf Stäbler
Ohmden. Welche Wertschätzung der einstigen Lehrerin und heutigen Rektorin entgegengebracht wurde und wird, zeigte sich bei einer Verabschiedungsfeier in der Ohmdener Gemeindehalle. Das Interesse war riesengroß, Vereine und Kinder mit Herzblut dabei und die Liste der Redner und Danksager recht lang. „Ich bin tief gerührt, bewegt und überwältigt", bekannte Ursula Neumann am Ende des Festaktes.

Nach der Begrüßung der zahlreichen Gäste durch Ohmdens Bürgermeister Manfred Merkle wurde Ursula Neumann offiziell von Schulamtsdirektor Dr. Hans-Dieter Pix „mit einem lachenden und einem weinenden Auge" verabschiedet, „mir ist es schwer ums Herz". Und der „Chef" hielt es mit Goethe: „Endlich fasse dir ein Herz und begreif‘s geschwinder: Lachen, Weinen, Lust und Schmerz sind Geschwisterkinder". Aber schließlich habe er die Notwendigkeit dieser frühzeitigeren Verabschiedung erkannt.
Der Schulamtsdirektor ging auf den beruflichen Werdegang von Ursula Neumann ein. Als Kind des Landkreises, in Plochingen geboren, studierte sie von 1967 bis 1970 an der PH in Esslingen. Und da es frühere Praxis der Schulämter war, die ledigen Frauen weit nach draußen zu schicken, landete Ursula Neumann im Raum Heilbronn. Nach ihrer zweiten Staatsprüfung 1974 drängte die Pädagogin zurück in den Kreis und hätte an die Raunerschule kommen sollen. Per Erlass wurde sie aber nach Ohmden „umdirigiert", wo sie zugleich Lehrerin und Schulleiterin wurde. Die offizielle Ernennung zur Schulleiterin erfolgte dann 1977 und die Amtsbezeichnung „Rektorin" erhielt sie 1989. Was sie all die Jahre in Ohmden gehalten hat, wusste Pix auch zu beantworten. „Sicherlich nicht das alte und triste Mobiliar der Schule, sondern der schnelle und offene Kontakt zur Bevölkerung und den Vereinen. Und dabei habe ihr der Wesenszug, alles zu verbessern, sehr geholfen und „für sie war die gesamte Schule immer ein Team". Auch hier „bemühte" der Schulamtsdirektor Goethe: „Es gibt keine Lage, die man nicht veredeln könnte durch Leisten oder Dulden". So finde ein Nachfolger mit der Schule in Ohmden „ein gut bestelltes Feld" vor. Er ließ auch durchblicken, dass man bestrebt sei, die Stelle ab September neu zu besetzen. Über die Person sei allerdings noch nicht entschieden.

bmAls echten Beweis für die Wertschätzung der Rektorin erkannte Bürgermeister Manfred Merkle die vollbesetzte Gemeindehalle und nannte die Scheidende eine „Vollblutpädagogin". Für sie sei der Beruf stets eine Berufung gewesen. „Sie haben den Lerneifer der Kinder geweckt", erkannt, dass in der Grundschule der Grundstein gelegt und die Weichen für später gestellt werden. Und sie habe als Lehrerin den Kindern stets das Gefühl der Wärme und Geborgenheit vermittelt. „Ihr Engagement für die Schule war erste Klasse". Ihre Musicals zusammen mit der Liederlust Ohmden habe die Gemeinde weit über die Grenzen hinaus bekannt gemacht. Allerdings bringe der Abschied auch ein schmerzliches Erlebnis für die Rektorin: „Sie haben zum letzten Mal Ferien". Einen Rückblick über 34 Jahre gaben die Lehrerinnen der Schule, vom stilvollen Fachwerkhaus, bei einer Klassenstärke von 40 Kindern, bis hin zum heutigen Tag. Mit einem Schüler-Rap, Liedern und selbst gefertigten Geschenken verabschiedeten die Kinder „ihre" Rektorin und das ging nicht ganz ohne Tränen ab.

chor22Zahlreiche Grußworte schlossen sich an. Unter anderem gab es Dank und gute Wünsche für die Zukunft von Schuldekan Buchholz, dem Geschäftsführenden Schulleiter Birzele-Unger, vom Landesinstitut für Schulsport, von der Kreisverkehrswacht (für ihr Engagement in Sachen Verkehrserziehung im Arbeitskreis für Schule und Verkehr), von Alexandra Binder als Elternvertreterin und von Johann Steffl, dem Vorsitzenden der Liederlust Ohmden, die mit ihren Liedbeiträgen für einen gelungenen Abschied sorgten. 

Es schloss sich noch ein kleiner Stehempfang an, und es war Zeit für persönliche Worte. Hatte doch auch mancher der heutigen Erwachsenen bei Ursula Neumann auf der Schulbank gesessen. Schon damals galt, und gilt heute umso mehr ihr Motto: „Alle Miteinander".